Gargi
28.12.2007, 14:48
Es gibt denke ich schon so einige Distributionsvergleiche, also dachte ich mir, ist es auch mal an der Zeit, dass ich ebenso ein paar Linux Distributionen vergleiche, nachdem ich doch so einiges bereits ausprobiert habe.
Folgende Distributionen habe ich mir vorgenommen:
Ubuntu 6.10
Opensuse 10.2
Fedora Core 6
Debian 4.0 (Etch)
CentOS 5
Mandriva Test 2007
Es handelt sich dabei immer um die i386er Version (= 32bit) und die reinen Downloadvarianten. Soweit es möglich war sind es alles DVD-iso Dateien gewesen mit Ausnahme des Debian Etch, welches einen Download von 3 DVD Isos vorausgesetzt hätte. Somit habe ich hier einen Netinstall vorgezogen. Für den Download stand eine 6MBit DSL-Leitung zur Verfügung.
Um ein homogenes Testumfeld zu gewährleisten wurden alle Distributionen auf einer virtuellen Maschine (VMWare) installiert. Hierfür standen den VMs jeweils 20GB virtuellen Festplattenplatz zur Verfügung. Zugesichert wurden jeweils 1GB Ram. Das Host-System ist ein Opensuse 10.2 auf einem AMD X2 4600+ . Die Iso-Images wurden direkt als DVD-Laufwerke innerhalb der virtuellen Maschinen gemountet um Probleme aufgrund einer fehlerhaft gebrannten DVD auszuschließen.
Virtuelle Maschine:
http://www.gargi.org/stuff/sonstiges/distritest/testsetup.png
Gemessen wurde die Zeit für die Installation (abzüglich etwaiger Updates). Zudem analysierte ich die Bootzeit der einzelnen Distributionen bis zum Login. Ebenfalls gemessen wurden die installierten Pakete und der Plattenbedarf. Hierbei wurde immer ein GNOME GUI installiert. Zudem wurde nur eine Basisinstallation (default) vorgenommen und keine sonstigen Pakete installiert.
Da die Zeiten auf einer virtuellen Maschine gemessen wurde sind das natürlich Laborwerte und sicherlich nicht mit nativen Installationen vergleichbar. Sie sollen nur zeigen, wo hier die Unterschiede zwischen den einzelnen Distributionen liegen.
Es wurde jeweils ein Netzwerk konfiguriert. Allerdings habe ich keine festen Adressen (IPs) vergeben, sondern während des Startup muss die Maschine sich eine IP vom DHCP Server holen.
Schwierigkeiten bei der Installation auf den synthetischen Maschinen gab es bei keiner Distribution. Die Partitionierung, die Software und der Bootmanager lies sich ohne weiteres Zutun des Anwenders installieren.
Interessant war noch, wie flexibel der Installer im Umgang mit dem Bootmanager ist. Fehlt hier die Möglichkeit, einen Bootloader auch auf andere Medien außerhalb des MBR oder einer erweiterten Partition (z.B. Diskette) zu schreiben, gab es Punktabzug. Pluspunkte gab es aber auch bei besonders flexiblen Installern oder auch im fertigen System integrierten Konfigurationstools. Hier glänzen zwei der Testkandidaten besonders.
Ubuntu 6.10
http://www.gargi.org/stuff/sonstiges/distritest/ubuntu610.png
Der Shootingstar am Linux-Himmel ist sicherlich Ubuntu. Gerade der sehr gute Support über eine sehr schnell gewachsene Community lässt den Anwender nicht im Regen stehen.
Die Installation geht entweder über einen grafischen Installer oder einem Textmodus auf der sogenannten Alternat e Version der Distribution. Der Textinstaller ist deutlich flexibler, da er im Gegensatz zum grafischen Installer die Möglichkeit bietet, den Bootloader auch außerhalb des MBR zu installieren. Zudem fehlt der Support eines LVM Systems im grafischen installer. Hierfür muss auch der Textmodus bemüht werden. Aus diesem Grund habe ich diese Variante gewählt.
Nach der Installation erhält der User ein solides konfiguriertes Betriebssystem, was zunächst keine Wünsche offen lässt. Ubuntu ist ein hochgradig aufgebohrtes Debian Derivat, was auf der einen Seite hohe Hardwarekompatibilität garantiert, aber auf der anderen Seite im Test das wohl von der Anzahl der installierten Pakete das aufgeblähteste Linux ist. Mit über 1000 Pakete ist hier Ubuntu der Spitzenreiter und benötigt 2,7GB Festplattenplatz, womit es hier im Mittelfeld des Tests liegt. Dafür glänzt Ubuntu mit einem flotten Systemstart. Mit 35 Sekunden liegt es hier auf dem zweiten Platz, was auf ein performantes System hindeutet.
Die Messergebnisse:
INSTALLATION
netto: 42 Minuten
Boot: 35 Sekunden
Pakete: 1038
Belegter Plattenplatz: 2.7 GB
Debian 4.0 Etch
http://www.gargi.org/stuff/sonstiges/distritest/debian40.png
Das wohl reinste Linux dürfte das Debian Etch 4.0 sein. Debian Etch ist frisch erschienen und wartet gleich mit 3 DVDs auf. Da ich nicht alle DVDs herunterladen wollte, begnügte ich mich mit einem Netzinstall. Dies verzögert natürlich die Installation, aber aufgrund einer schnellen Anbindung war Etch etwas langsamer im Test. Das deutet darauf hin, dass es, wenn alle Images vorliegen hier natürlich noch flotter sein kann und vermutlich im Ubuntu-Bereich liegt.
Debian ist sicherlich nicht für Anfänger gedacht sondern richtet sich vielmehr an Linux-Fans, die auch gerne eigene Programme bis hin zu einem neuen Kernel kompilieren wollen. Dafür ist Debian mit Sicherheit die erste Wahl, da dieses Betriebssystem wohl auch am wenigsten gepatcht ist.
Etch beinhaltet nun sogar einen grafischen Installer, der aber keinen Unterschied zum Textinstaller macht, außer dass er auch mit der Maus bedienbar ist. Deshalb zog ich den Textinstaller vor. Der Bootvorgang ist mit 45 Sekunden flott und die Anzahl der installierten Pakete hält sich in Grenzen. Mit 2,8 GB benötigt Etch einwenig mehr Platz als Ubuntu.
Die Messergebnisse:
INSTALLATION
netto: 57 Minuten (inklusive Downloads)
Boot: 45 Sekunden
Pakete: 827
Belegter Plattenplatz: 2.8 GB
Opensuse 10.2
http://www.gargi.org/stuff/sonstiges/distritest/opensuse102.png
Opensuse liegt nun in der Version 10.2 vor. Erstaunlich einfach die Installation aber als das wohl flexibleste Installationstool präsentiert sich uns der YAST. Wer wenig Wert auf eine komplizierte Installation legt gelangt mit wenigen Mausklicks zu einem fertigen System. Auf der anderen Seite bietet der Expertenmodus alles, was das Herz begehrt. Bis hin zum Softraid und LVM Setup ist alles möglich und dabei sehr schön über Hilfetexte dokumentiert. Auch später dient der YAST als Konfigurationszentrale, der von seiner Funktionsvielfallt Seinesgleichen sucht:
http://www.gargi.org/stuff/sonstiges/distritest/yast.png
Ebenso hat Opensuse ein eigenes Kontrollzentrum, was alle Möglichkeiten zur Konfiguration des GNOMES bietet:
http://www.gargi.org/stuff/sonstiges/distritest/susekontroll.png
Ähnliches bietet nur noch Mandriva. Im Gegenzug benötigt Opensuse den meisten Plattenplatz. 3,2 GB schlagen nach einer Basisinstallation zu Buche, obwohl mit 841 Pakete deutlich weniger Pakete als beispielsweise bei Ubuntu installiert werden. Ebenso negativ fällt der Bootvorgang von 60 Sekunden auf. Das liegt allerdings auch daran, dass hier Opensuse einige Dienste im Hintergrund startet, die sicherlich bei anderen Distributionen erst integriert werden müssen.
Messergebnisse:
INSTALLATION
brutto: 63 Minuten (inklusive Updates)
netto: 44 Minuten
Boot: 61 Sekunden
Pakete: 841
Belegter Plattenplatz: 3.2 GB
Fedora Core 6
http://www.gargi.org/stuff/sonstiges/distritest/fedoracore6.png
Fedora Core 6 ist die freie Community- Variante des RedHat, was sich seit einige Jahren nur noch auf dem Enterprise Sektor bewegt. Mit dem grafischen Anaconda führt uns das System zielsicher zu einem funktionierendem System. Hierbei fallen allerdings negativ auf, dass der Bootloader sich nur im Festplattenbereich installieren lässt. Eine Installation auf eine Diskette ist nicht möglich. Ebenso hat Fedora Core 6 auf meinem Testsystem die zweit längste Bootzeit, was aber sicherlich keine Rückschlüsse auf die Gesamtperformance zulässt.
Messergebnisse:
INSTALLATION
netto: 41 Minuten
Boot: 80 Sekunden
Pakete: 756
Belegter Plattenplatz: 2.5 GB
CentOS 5
http://www.gargi.org/stuff/sonstiges/distritest/centos50.png
CentOS ist ein System, das auf den Quellen eines nordamerikanischen Enterprise Linux basiert. Somit kann man dieses auch als sehr ausgereift betrachten. Demzufolge unterscheidet es sich von der Installation her kaum vom Fedora Core und verwendet auch den Anaconda als Installationstool. Die Bootzeit ist aber leider ähnlich wie beim Fedora und mit 83 Sekunden das langsamste im Test.
Messergebnisse:
INSTALLATION
netto: 47 Minuten
Boot: 83 Sekunden
Pakete: 751
Belegter Plattenplatz: 2.4 GB
Mandriva Free 2007
http://www.gargi.org/stuff/sonstiges/distritest/mandrivafree2007.png
Als letzter Kandidat ging Mandriva ins Rennen und überzeugte prompt. Der grafische Installer ist sehr flexibel, lässt auch eine freie Installation des Bootloader zu, konfiguriert das System sauber und ist recht fix in der Installation. Zudem bietet Mandriva ein Konfigurationstool, das gerade für Anfänger das Handling des Systems sehr einfach macht:
http://www.gargi.org/stuff/sonstiges/distritest/mandikontroll.png
Sehr zackig auch der Bootvorgang. Mandriva bläst das System förmlich innerhalb von 30 Sekunden hoch, was es hier auch im Boottest zum Sieger im Test macht. Mandriva gibt es zudem auch als kostenpflichtige Software, was dem User noch eine Vielzahl an Programmen liefert, die normalerweise kostenpflichtig nachzukaufen sind. Als Beispiel sind LinDVD und Cedega nebst eine 30 Tage Version von CrossoverOffice zu nennen, welch wie schon gesagt in der freien Version nicht enthalten sind. Wer also mit dem Funktionsumfang der freien Variante zufrieden ist, der hat hier ein sauberes Linux installiert, das sowohl optisch als auch funktionell voll anspricht. Ganz klar richtet sich auch Mandriva an Linuxneulinge, die ein neues OS ausprobieren oder gar umsteigen wollen.
Mit einem Installationsvolumen von 1,8 GB ist Mandriva auch das schlankste System, man merkt aber, dass die Menüs im System auch deutlich "übersichtlicher" sind und wohl noch einiges dazuinstalliert werden muss, was aber im Grunde kein Nachteil ist, da hier nur das auf die Platte landet, was man schließlich auch haben möchte.
Messergebnisse:
INSTALLATION
netto: 30 Minuten
Boot: 30 Sekunden
Pakete: 887
Belegter Plattenplatz: 1.8 GB
Die Messergebnisse grafisch gegenüber gestellt
Um die Testergebnisse besser miteinander vergleichen zu können habe ich die Werte grafisch aufgearbeitet:
http://www.gargi.org/stuff/sonstiges/distritest/installationsdauer.png
http://www.gargi.org/stuff/sonstiges/distritest/bootzeit.png
http://www.gargi.org/stuff/sonstiges/distritest/pakete.png
http://www.gargi.org/stuff/sonstiges/distritest/speicher.png
Hier noch die ermittelten Werte gegenübergestellt und als Fazit eine Punkteverteilung:
http://www.gargi.org/stuff/sonstiges/distritest/uebersicht.png
Fazit: Mein persönlicher Überraschungssieger ist das Mandriva Free, das sowohl schnell als auch mit sehr viel Liebe zum Detail daher kommt. Der Installer besticht, das Kontrollmenü eine runde Sache. Gerade für Neulinge die erste Wahl, um Linux kennen zu lernen. Gefolgt nach Punkten dann Opensuse, das auch hier ein sehr ausgereiftes System ist und gerade mit seinem YAST super Hilfe im Umgang mit dem Linux bietet. Diese Distribution richtet sich an Anfänger und Profis gleichermaßen. Einschnitte gibt es nur bei der Bootperformance, was sich aber denke ich verschmerzen lässt. Der dritte Platz geht an Ubuntu und CentOS, wobei ich Ubuntu aufgrund der großen Community einen kleinen Pluspunkt mitgebe und somit den klaren dritten Platz gebe. Auch Neulinge bekommen hier schnell alles geliefert, was man für den Alltagsgebrauch benötigt. Ubuntu macht einfach Spaß und man hat auch das Gefühl, dass es den Entwicklern genau so viel Spaß machen muss, ein derartiges System auf die Beine zu stellen.
Ich hoffe, ich konnte auch mal einen etwas anderen Einblick in die verschiedenen Distributionen vermitteln. Löchert mich ruhig mit Fragen!
Links:
Ubuntu: Ubuntu Home Page | Ubuntu (http://www.ubuntu.com)
Opensuse: openSUSE (http://www.opensuse.org)
Fedora: Red Hat Deutschland - www.redhat.de (http://www.redhat.de/fedora/)
Debian: Debian -- The Universal Operating System (http://www.debian.org)
Mandriva: Welcome / Home - Mandriva Linux (http://www.mandriva.com/)
CentOS: www.centos.org - The Community ENTerprise Operating System (http://www.centos.org)
[Screenshots, Datasheets etc. 100% natively done under Linux]
Euer
Gargi
Folgende Distributionen habe ich mir vorgenommen:
Ubuntu 6.10
Opensuse 10.2
Fedora Core 6
Debian 4.0 (Etch)
CentOS 5
Mandriva Test 2007
Es handelt sich dabei immer um die i386er Version (= 32bit) und die reinen Downloadvarianten. Soweit es möglich war sind es alles DVD-iso Dateien gewesen mit Ausnahme des Debian Etch, welches einen Download von 3 DVD Isos vorausgesetzt hätte. Somit habe ich hier einen Netinstall vorgezogen. Für den Download stand eine 6MBit DSL-Leitung zur Verfügung.
Um ein homogenes Testumfeld zu gewährleisten wurden alle Distributionen auf einer virtuellen Maschine (VMWare) installiert. Hierfür standen den VMs jeweils 20GB virtuellen Festplattenplatz zur Verfügung. Zugesichert wurden jeweils 1GB Ram. Das Host-System ist ein Opensuse 10.2 auf einem AMD X2 4600+ . Die Iso-Images wurden direkt als DVD-Laufwerke innerhalb der virtuellen Maschinen gemountet um Probleme aufgrund einer fehlerhaft gebrannten DVD auszuschließen.
Virtuelle Maschine:
http://www.gargi.org/stuff/sonstiges/distritest/testsetup.png
Gemessen wurde die Zeit für die Installation (abzüglich etwaiger Updates). Zudem analysierte ich die Bootzeit der einzelnen Distributionen bis zum Login. Ebenfalls gemessen wurden die installierten Pakete und der Plattenbedarf. Hierbei wurde immer ein GNOME GUI installiert. Zudem wurde nur eine Basisinstallation (default) vorgenommen und keine sonstigen Pakete installiert.
Da die Zeiten auf einer virtuellen Maschine gemessen wurde sind das natürlich Laborwerte und sicherlich nicht mit nativen Installationen vergleichbar. Sie sollen nur zeigen, wo hier die Unterschiede zwischen den einzelnen Distributionen liegen.
Es wurde jeweils ein Netzwerk konfiguriert. Allerdings habe ich keine festen Adressen (IPs) vergeben, sondern während des Startup muss die Maschine sich eine IP vom DHCP Server holen.
Schwierigkeiten bei der Installation auf den synthetischen Maschinen gab es bei keiner Distribution. Die Partitionierung, die Software und der Bootmanager lies sich ohne weiteres Zutun des Anwenders installieren.
Interessant war noch, wie flexibel der Installer im Umgang mit dem Bootmanager ist. Fehlt hier die Möglichkeit, einen Bootloader auch auf andere Medien außerhalb des MBR oder einer erweiterten Partition (z.B. Diskette) zu schreiben, gab es Punktabzug. Pluspunkte gab es aber auch bei besonders flexiblen Installern oder auch im fertigen System integrierten Konfigurationstools. Hier glänzen zwei der Testkandidaten besonders.
Ubuntu 6.10
http://www.gargi.org/stuff/sonstiges/distritest/ubuntu610.png
Der Shootingstar am Linux-Himmel ist sicherlich Ubuntu. Gerade der sehr gute Support über eine sehr schnell gewachsene Community lässt den Anwender nicht im Regen stehen.
Die Installation geht entweder über einen grafischen Installer oder einem Textmodus auf der sogenannten Alternat e Version der Distribution. Der Textinstaller ist deutlich flexibler, da er im Gegensatz zum grafischen Installer die Möglichkeit bietet, den Bootloader auch außerhalb des MBR zu installieren. Zudem fehlt der Support eines LVM Systems im grafischen installer. Hierfür muss auch der Textmodus bemüht werden. Aus diesem Grund habe ich diese Variante gewählt.
Nach der Installation erhält der User ein solides konfiguriertes Betriebssystem, was zunächst keine Wünsche offen lässt. Ubuntu ist ein hochgradig aufgebohrtes Debian Derivat, was auf der einen Seite hohe Hardwarekompatibilität garantiert, aber auf der anderen Seite im Test das wohl von der Anzahl der installierten Pakete das aufgeblähteste Linux ist. Mit über 1000 Pakete ist hier Ubuntu der Spitzenreiter und benötigt 2,7GB Festplattenplatz, womit es hier im Mittelfeld des Tests liegt. Dafür glänzt Ubuntu mit einem flotten Systemstart. Mit 35 Sekunden liegt es hier auf dem zweiten Platz, was auf ein performantes System hindeutet.
Die Messergebnisse:
INSTALLATION
netto: 42 Minuten
Boot: 35 Sekunden
Pakete: 1038
Belegter Plattenplatz: 2.7 GB
Debian 4.0 Etch
http://www.gargi.org/stuff/sonstiges/distritest/debian40.png
Das wohl reinste Linux dürfte das Debian Etch 4.0 sein. Debian Etch ist frisch erschienen und wartet gleich mit 3 DVDs auf. Da ich nicht alle DVDs herunterladen wollte, begnügte ich mich mit einem Netzinstall. Dies verzögert natürlich die Installation, aber aufgrund einer schnellen Anbindung war Etch etwas langsamer im Test. Das deutet darauf hin, dass es, wenn alle Images vorliegen hier natürlich noch flotter sein kann und vermutlich im Ubuntu-Bereich liegt.
Debian ist sicherlich nicht für Anfänger gedacht sondern richtet sich vielmehr an Linux-Fans, die auch gerne eigene Programme bis hin zu einem neuen Kernel kompilieren wollen. Dafür ist Debian mit Sicherheit die erste Wahl, da dieses Betriebssystem wohl auch am wenigsten gepatcht ist.
Etch beinhaltet nun sogar einen grafischen Installer, der aber keinen Unterschied zum Textinstaller macht, außer dass er auch mit der Maus bedienbar ist. Deshalb zog ich den Textinstaller vor. Der Bootvorgang ist mit 45 Sekunden flott und die Anzahl der installierten Pakete hält sich in Grenzen. Mit 2,8 GB benötigt Etch einwenig mehr Platz als Ubuntu.
Die Messergebnisse:
INSTALLATION
netto: 57 Minuten (inklusive Downloads)
Boot: 45 Sekunden
Pakete: 827
Belegter Plattenplatz: 2.8 GB
Opensuse 10.2
http://www.gargi.org/stuff/sonstiges/distritest/opensuse102.png
Opensuse liegt nun in der Version 10.2 vor. Erstaunlich einfach die Installation aber als das wohl flexibleste Installationstool präsentiert sich uns der YAST. Wer wenig Wert auf eine komplizierte Installation legt gelangt mit wenigen Mausklicks zu einem fertigen System. Auf der anderen Seite bietet der Expertenmodus alles, was das Herz begehrt. Bis hin zum Softraid und LVM Setup ist alles möglich und dabei sehr schön über Hilfetexte dokumentiert. Auch später dient der YAST als Konfigurationszentrale, der von seiner Funktionsvielfallt Seinesgleichen sucht:
http://www.gargi.org/stuff/sonstiges/distritest/yast.png
Ebenso hat Opensuse ein eigenes Kontrollzentrum, was alle Möglichkeiten zur Konfiguration des GNOMES bietet:
http://www.gargi.org/stuff/sonstiges/distritest/susekontroll.png
Ähnliches bietet nur noch Mandriva. Im Gegenzug benötigt Opensuse den meisten Plattenplatz. 3,2 GB schlagen nach einer Basisinstallation zu Buche, obwohl mit 841 Pakete deutlich weniger Pakete als beispielsweise bei Ubuntu installiert werden. Ebenso negativ fällt der Bootvorgang von 60 Sekunden auf. Das liegt allerdings auch daran, dass hier Opensuse einige Dienste im Hintergrund startet, die sicherlich bei anderen Distributionen erst integriert werden müssen.
Messergebnisse:
INSTALLATION
brutto: 63 Minuten (inklusive Updates)
netto: 44 Minuten
Boot: 61 Sekunden
Pakete: 841
Belegter Plattenplatz: 3.2 GB
Fedora Core 6
http://www.gargi.org/stuff/sonstiges/distritest/fedoracore6.png
Fedora Core 6 ist die freie Community- Variante des RedHat, was sich seit einige Jahren nur noch auf dem Enterprise Sektor bewegt. Mit dem grafischen Anaconda führt uns das System zielsicher zu einem funktionierendem System. Hierbei fallen allerdings negativ auf, dass der Bootloader sich nur im Festplattenbereich installieren lässt. Eine Installation auf eine Diskette ist nicht möglich. Ebenso hat Fedora Core 6 auf meinem Testsystem die zweit längste Bootzeit, was aber sicherlich keine Rückschlüsse auf die Gesamtperformance zulässt.
Messergebnisse:
INSTALLATION
netto: 41 Minuten
Boot: 80 Sekunden
Pakete: 756
Belegter Plattenplatz: 2.5 GB
CentOS 5
http://www.gargi.org/stuff/sonstiges/distritest/centos50.png
CentOS ist ein System, das auf den Quellen eines nordamerikanischen Enterprise Linux basiert. Somit kann man dieses auch als sehr ausgereift betrachten. Demzufolge unterscheidet es sich von der Installation her kaum vom Fedora Core und verwendet auch den Anaconda als Installationstool. Die Bootzeit ist aber leider ähnlich wie beim Fedora und mit 83 Sekunden das langsamste im Test.
Messergebnisse:
INSTALLATION
netto: 47 Minuten
Boot: 83 Sekunden
Pakete: 751
Belegter Plattenplatz: 2.4 GB
Mandriva Free 2007
http://www.gargi.org/stuff/sonstiges/distritest/mandrivafree2007.png
Als letzter Kandidat ging Mandriva ins Rennen und überzeugte prompt. Der grafische Installer ist sehr flexibel, lässt auch eine freie Installation des Bootloader zu, konfiguriert das System sauber und ist recht fix in der Installation. Zudem bietet Mandriva ein Konfigurationstool, das gerade für Anfänger das Handling des Systems sehr einfach macht:
http://www.gargi.org/stuff/sonstiges/distritest/mandikontroll.png
Sehr zackig auch der Bootvorgang. Mandriva bläst das System förmlich innerhalb von 30 Sekunden hoch, was es hier auch im Boottest zum Sieger im Test macht. Mandriva gibt es zudem auch als kostenpflichtige Software, was dem User noch eine Vielzahl an Programmen liefert, die normalerweise kostenpflichtig nachzukaufen sind. Als Beispiel sind LinDVD und Cedega nebst eine 30 Tage Version von CrossoverOffice zu nennen, welch wie schon gesagt in der freien Version nicht enthalten sind. Wer also mit dem Funktionsumfang der freien Variante zufrieden ist, der hat hier ein sauberes Linux installiert, das sowohl optisch als auch funktionell voll anspricht. Ganz klar richtet sich auch Mandriva an Linuxneulinge, die ein neues OS ausprobieren oder gar umsteigen wollen.
Mit einem Installationsvolumen von 1,8 GB ist Mandriva auch das schlankste System, man merkt aber, dass die Menüs im System auch deutlich "übersichtlicher" sind und wohl noch einiges dazuinstalliert werden muss, was aber im Grunde kein Nachteil ist, da hier nur das auf die Platte landet, was man schließlich auch haben möchte.
Messergebnisse:
INSTALLATION
netto: 30 Minuten
Boot: 30 Sekunden
Pakete: 887
Belegter Plattenplatz: 1.8 GB
Die Messergebnisse grafisch gegenüber gestellt
Um die Testergebnisse besser miteinander vergleichen zu können habe ich die Werte grafisch aufgearbeitet:
http://www.gargi.org/stuff/sonstiges/distritest/installationsdauer.png
http://www.gargi.org/stuff/sonstiges/distritest/bootzeit.png
http://www.gargi.org/stuff/sonstiges/distritest/pakete.png
http://www.gargi.org/stuff/sonstiges/distritest/speicher.png
Hier noch die ermittelten Werte gegenübergestellt und als Fazit eine Punkteverteilung:
http://www.gargi.org/stuff/sonstiges/distritest/uebersicht.png
Fazit: Mein persönlicher Überraschungssieger ist das Mandriva Free, das sowohl schnell als auch mit sehr viel Liebe zum Detail daher kommt. Der Installer besticht, das Kontrollmenü eine runde Sache. Gerade für Neulinge die erste Wahl, um Linux kennen zu lernen. Gefolgt nach Punkten dann Opensuse, das auch hier ein sehr ausgereiftes System ist und gerade mit seinem YAST super Hilfe im Umgang mit dem Linux bietet. Diese Distribution richtet sich an Anfänger und Profis gleichermaßen. Einschnitte gibt es nur bei der Bootperformance, was sich aber denke ich verschmerzen lässt. Der dritte Platz geht an Ubuntu und CentOS, wobei ich Ubuntu aufgrund der großen Community einen kleinen Pluspunkt mitgebe und somit den klaren dritten Platz gebe. Auch Neulinge bekommen hier schnell alles geliefert, was man für den Alltagsgebrauch benötigt. Ubuntu macht einfach Spaß und man hat auch das Gefühl, dass es den Entwicklern genau so viel Spaß machen muss, ein derartiges System auf die Beine zu stellen.
Ich hoffe, ich konnte auch mal einen etwas anderen Einblick in die verschiedenen Distributionen vermitteln. Löchert mich ruhig mit Fragen!
Links:
Ubuntu: Ubuntu Home Page | Ubuntu (http://www.ubuntu.com)
Opensuse: openSUSE (http://www.opensuse.org)
Fedora: Red Hat Deutschland - www.redhat.de (http://www.redhat.de/fedora/)
Debian: Debian -- The Universal Operating System (http://www.debian.org)
Mandriva: Welcome / Home - Mandriva Linux (http://www.mandriva.com/)
CentOS: www.centos.org - The Community ENTerprise Operating System (http://www.centos.org)
[Screenshots, Datasheets etc. 100% natively done under Linux]
Euer
Gargi